Blasenschwäche Definition:

Im Volksmund ist sie als Blasenschwäche bekannt: Eine Harninkontinenz (unwillkürlicher Harnverlust) liegt vor, wenn unkontrolliert Urin aus der Blase abgeht – was für die Betroffenen meist sehr belastend ist.

Behandlung der weiblichen Inkontinenz

Die Kontrolle der Kontinenz ist eine Fähigkeit, die als eine der ersten im Rahmen der kindlichen Entwicklung erlangt wird. Sie gilt als Indikator der Sozialfähigkeit einer Person. Menschen mit Blasenschwäche leiden daher meist sehr unter der fehlenden Blasenkontrolle und fühlen sich häufig sozial ausgegrenzt und in ihrer Lebensqualität stark eingeschränkt. Blasenschwäche ist somit nicht nur ein lästiges körperliches Problem, sondern kann auch mit einer erheblichen psychischen Belastung verbunden sein.

Blasenschwäche bezeichnen Mediziner auch als Harninkontinenz. Blasenschwäche kann in vier Formen unterteilt werden:

Dranginkontinenz (sog. Reizblase, überaktive Blase): Der Harnverlust ist bei dieser Form der Blasenschwäche von einem starken Harndrang begleitet.
Stressinkontinenz (Belastungsinkontinenz): Der Harnverlust tritt ohne vorherigen Harndrang bei körperlicher Anstrengung (z.B. beim Husten, Lachen, Niesen, Heben, Tragen) auf.
Reflexinkontinenz: Der Harnverlust tritt aufgrund unwillkürlicher Kontraktionen der Blasenwandmuskulatur auf. Ein Harndrang besteht vorher nicht.
Überlaufinkontinenz: Betroffene mit dieser Form der Blasenschwäche haben meist Schwierigkeiten, ihre Harnblase willkürlich zu leeren. Es verbleibt nach dem Wasserlassen Restharn in der Blase, der unwillkürlich abgeht.
Eine Sonderform der Blasenschwäche ist die extraurethrale Harninkontinenz. Hier geht der Harn nicht über die Harnröhre, sondern über sogenannte Fisteln ab. Dabei handelt es sich um kleine Gänge, die sich im Körperinneren bilden können.

Unwillkürlicher Urinverlust
Ein unwillkürlicher Harnverlust kann sehr belastend sein. Erfahren Sie in unserem Harninkontinenz mehr über die Ursachen!

Beckenbodengymnastik mit Birgit

Häufigkeit:

Die Angaben zur Häufigkeit der Blasenschwäche in der Bevölkerung schwanken sehr, wahrscheinlich aufgrund des Tabucharakters. Sie liegen zwischen fünf und 25 Prozent. Die Dranginkontinenz tritt bei Männern in jedem Lebensalter gleich häufig auf, bei Frauen nimmt sie mit zunehmendem Lebensalter zu. Die Stressinkontinenz ist bei Frauen bis etwa 50 Jahren die häufigste Form. Die Überlaufinkontinenz tritt bei Männern häufiger auf als bei Frauen.

Ursachen:
Für eine Blasenschwäche (Harninkontinenz, unwillkürlicher Harnverlust) gibt es unterschiedliche Ursachen – je nachdem, welche Form der Blasenschwäche vorliegt. In den meisten Fällen ist die Harninkontinenz Zeichen einer anatomischen oder funktionellen Störung.

Die häufigsten Gründe für eine Dranginkontinenz können sein:

Instabilität des Blasenmuskels (Detrusor)
Infektionen der Harnwege (z.B. Blasenentzündung)
Tumoren der Blase oder der ableitenden Harnwege
multiple Sklerose
Hirntumoren
Demenzerkrankungen
Folgen eines Schlaganfalls
Parkinson
Blasensteine oder Harnwegssteine
Eine Dranginkontinenz kann auch ohne erkennbare Gründe auftreten und wird dann als idiopathische Reizblase bezeichnet.

Ursache für eine Stressinkontinenz (Belastungsinkontinenz) ist zum Beispiel eine Schädigung des Verschlussmechanismus zwischen Blasenhals und Harnröhre. Diese kann durch Operationen, Verletzungen oder Überdehnung während einer Geburt entstehen. Weitere Ursachen für diese Form der Blasenschwäche können eine Östrogenmangel (z.B. in den Wechseljahren), eine Beckenbodenschwäche, Gebärmuttersenkung oder ein Blasenvorfall sein.

Eine Reflexinkontinenz entsteht durch den Verlust der Blasen-Schließmuskel-Koordination aufgrund von Verletzungen des Rückenmarks.

Zu einer Überlaufinkontinenz kann es kommen, wenn der Blasendruck größer ist als der Druck des Harnröhrenverschlusses. Die Blase entleert sich dann, sobald sie voll ist und läuft quasi über. Weitere mögliche Ursachen sind zum Beispiel:

eine gutartige Prostatavergrößerung
Verengungen oder Blockade der Harnröhre durch Tumoren oder Harnsteine
Nervenschädigungen z.B. im Rahmen einer autonomen Neuropathie bei Diabetes mellitus
Verschiedene Medikamente, wie Diuretika, Antidepressiva und Neuroleptika, sowie Alkohol können eine bestehende Blasenschwäche verstärken.

Die Sonderform der Blasenschwäche, die extraurethrale Inkontinenz, ist meist angeboren.

Diagnose:

Um bei einer Blasenschwäche (Harninkontinenz, unwillkürlicher Harnverlust) die genaue Diagnose ermitteln zu können, versucht der Arzt in einem Gespräch die vorliegende Form und den Schweregrad der Inkontinenz zu bestimmen. So wird er beispielsweise fragen, wann und wie häufig die Blasenschwäche auftritt, ob begleitend andere Beschwerden wie Flankenschmerzen oder Stuhlunregelmäßigkeiten auftreten, ob gleichzeitig ein Harndrang vorhanden ist und wie intensiv der Harnstrahl ist.

Um die Harninkontinenz zu beurteilen, kann ein sogenanntes Miktionstagebuch (lat. mictio = Wasserlassen) helfen, in dem der Betroffene Zeitpunkt, Menge und äußere Umstände des Harnverlusts und des Wasserlassens einträgt. Außerdem wird der Arzt nach anderen bekannten Erkrankungen und bei Frauen außerdem nach vorherigen Schwangerschaften fragen.

Nach dem Gespräch folgt eine gründliche körperliche Untersuchung. Ist der Betroffene männlich, tastet der Arzt auch Enddarm und Prostata ab. Frauen werden gynäkologisch untersucht. Zur Basisdiagnostik bei Blasenschwäche gehören auch eine Urin- und Blutuntersuchung und eine Ultraschalluntersuchung der Harnwege und Harnblase, bei der der Arzt auch die Restharnmenge in der Blase bestimmen kann.

Je nachdem, welche Ursachen der Arzt für die Blasenschwäche vermutet, führt er weitere Untersuchungen durch. Dazu zählen beispielsweise eine Computertomographie (CT), eine Blasenspiegelung (Zystoskopie) oder die Bestimmung des PSA-(prostataspezifisches Antigen)-Werts.

Therapie:

Bei einer Blasenschwäche (Harninkontinenz, unwillkürlicher Harnverlust) ist die Therapie immer davon abhängig, welche Form der Blasenschwäche vorliegt und welche Ursache die Harninkontinenz hat.

Bei einer Stressinkontinenz (Belastungsinkontinenz) hilft oft eine gezielte Beckenbodengymnastik als Therapie, um den Beckenboden zu stärken und die Schließfunktion der Blase wiederherzustellen. Bei einem Östrogenmangel werden die fehlenden Hormone medikamentös ersetzt. In manchen Fällen ist bei einer Stressinkontinenz aber auch eine Operation nötig. Zudem können Gel-Implantate in die Harnröhre eingesetzt werden, um diese zu stabilisieren.

Bei anderen Formen der Blasenschwäche kann ein gezieltes Toilettentraining ein Mittel der Therapie darstellen. Gleichzeitig sollten Betroffene darauf achten, dass immer eine Toilette in erreichbarer Nähe ist, diese regelmäßig aufgesucht wird und zum Beispiel vor dem Schlafengehen nicht zu viel getrunken wird. Verschiedene Hilfsmittel wie Inkontinenz-Vorlagen können Erkrankten helfen, ihren Tagesablauf wieder normal zu gestalten und ihre Lebensqualität zu verbessern.

Bei der Überlaufinkontinenz ist es wichtig, zunächst die eigentliche Ursache zu behandeln. Nur dann kann diese Form der Blasenschwäche erfolgreich therapiert werden.

Bei der Dranginkontinenz wird häufig eine medikamentöse Therapie mit Anticholinergika (z.B. Oxybutynin, Tolterodin, Darifenacin) durchgeführt. Nur in seltenen Fällen ist eine Operation notwendig.

Die extraurethrale Inkontinenz besteht meist von Geburt an und muss immer operiert werden.

Ist die Harninkontinenz Begleitsymptom einer anderen Grunderkrankung, ist immer eine gezielte Therapie dieser Krankheit notwendig.

Quelle:

Harn- und Stuhlinkontinenz (Blasen- und Darmschwäche). Online-Broschüre der Deutschen Kontinenz Gesellschaft: www.kontinenz-gesellschaft.de (Stand: Januar 2012)

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2011)

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie: Harninkontinenz. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 084/001 (Stand: September 2009)

Stand: 3. Mai 2012

 

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